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Erste Hilfe & Wundpflege beim Pferd: Richtig handeln im Notfall

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BIANCA HÄUSELER

Expertin für die Ausrüstung von Pferd & Reiter

Liebt es mit einem ihrer selbstgezogenen Pferde über den Reitplatz oder durch die Brandenburger Heide zu galoppieren.

Ein Huftritt auf der Koppel, ein Draht im hohen Gras, ein spitzer Ast beim Ausritt, Verletzungen passieren ohne Vorwarnung. Eine vollständig ausgestattete Stallapotheke und korrektes Handeln in den ersten Minuten entscheiden darüber, ob sich eine Wunde komplikationslos schließt oder sich infiziert.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Eine gut ausgestattete Stallapotheke verkürzt die Reaktionszeit bei Verletzungen.

  • Jede Wunde muss gründlich gereinigt werden, um Infektionen zu vermeiden.

  • Spezielle Pflegeprodukte beschleunigen die Heilung und reduzieren Komplikationen.

  • Die Tetanus-Impfung ist laut StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut für jedes Pferd verpflichtend.

Die Grundausstattung für den Notfall im Stall

Tritte, Stürze, scharfkantige Gegenstände – im Stallalltag kommt es regelmäßig zu kleinen und größeren Verletzungen. Schnelles, hygienisches Handeln verhindert, dass Schmutz in die Wunde gelangt und Entzündungen auslöst.

Checkliste: Das gehört zwingend in deine Notfallbox

  • Nitrile Einmalhandschuhe Classic (puderfrei) von KERBL für Eigenschutz und Hygiene

  • Kunststoff Zeckenzange von KERBL zur Parasitenentfernung

  • Bandagier Tape von ONE EQUESTRIAN zum Fixieren von Verbänden

  • Fieberthermometer und saubere Verbandsmullbinden

  • Verbandsmaterial in ausreichender Menge: Das Equine First Aid Kit der Colorado State University listet zwölf verschiedene Positionen auf, darunter Elastikon, Vetrap, Kling Gauze und Combine Rolls.

  • Kühlgel und ein sauberes Handtuch für die Anwendung von Massage & Kühlgel bei stumpfen Traumata

Vitalwerte kennen, bevor es brennt

Miss die Vitalwerte deines Pferdes mehrmals im entspannten Zustand. Nur so erkennst du Abweichungen im Ernstfall. Laut Texas A&M AgriLife Extension gelten diese Referenzwerte beim erwachsenen Pferd:

VitalwertNormalbereich
Körpertemperatur37,5 – 38,5 °C
Puls (Ruhe)28 – 44 Schläge/min
Atmung (Ruhe)8 – 16 Atemzüge/min

Ein digitales Thermometer aus der technischen Ausstattung gehört in jede Stallapotheke. Ohne konkrete Temperaturwerte kannst du dem Tierarzt am Telefon nur vage Angaben machen.

Wunden reinigen:

Jede Verletzung muss vor dem Auftragen von Salben gründlich von Matsch, Sand und Bakterien befreit werden. Verwende milde Lösungen, die empfindliches Gewebe nicht zusätzlich reizen.

Schritt für Schritt zur sauberen Wunde:

1. Groben Schmutz entfernen: Nutze die Erste Hilfe medizinische Waschlotion von leovet oder das bewährte Hygienic Shampoo von Effol med, um die betroffene Stelle sanft auszuwaschen.
2. Keimfreie Basis schaffen: Ein gezielter Sprühstoß mit dem leovet Desinfektionsspray Erste Hilfe sorgt für absolute Sauberkeit.
3. Trocknen lassen: Tupfe die Stelle vorsichtig mit einer sterilen Kompresse ab oder lasse sie kurz an der Luft trocknen.

Diese Reinigung bildet die Grundlage für eine komplikationsfreie Wundheilung.

Wundversorgung und nachhaltige Pflege

Nach der akuten Reinigung beginnt die eigentliche Versorgung. Nun gilt es, die verletzte Haut wie mit einem unsichtbaren Pflaster vor äußeren Einflüssen zu schützen. Lästigen Fliegen oder neuem Schmutz wird so der Weg versperrt und die natürliche Regeneration der Zellen optimal unterstützt.

Für kontaktloses Abdecken eignen sich Sprays. Das Silber Spray Hautschutz von KERBL oder das Wundspray Erste Hilfe Zinkoxid Spray von leovet bilden einen atmungsaktiven Film auf der Haut.

Sobald sich die Wunde schließt, greifst du auf Salben zurück, die das Gewebe geschmeidig halten und Spannungsgefühle bei der Narbenbildung reduzieren.

Produkttabelle: Die richtige Pflege für jede Heilungsphase

HeilungsphaseProdukt EmpfehlungWirkung
Frische oberflächliche WundeKERBL Silber Spray oder leovet Zinkoxid SprayBildet einen atmungsaktiven Schutzfilm, hält Schmutz und Fliegen fern
Krustenbildung & Regenerationleovet Hautpflege Erste Hilfe Propolis GelBeruhigt die Haut, fördert Zellerneuerung
Beanspruchte Hautpartienleovet SilbersalbeIntensive Pflege, Schutz vor bakteriellen Einflüssen
Narbenpflege & BarriereaufbauCARR & DAY & MARTIN Wundcreme oder Effol Haut RepairBaut die Hautbarriere wieder auf, hält Narbengewebe geschmeidig

Prellungen, Schwellungen und stumpfe Traumata: Kühlen statt Warten

Nicht jede Blessur ist eine offene Wunde. Ein Schlag gegen den Röhrbeinknochen, eine dicke Fessel nach dem Ausritt, eine Verstauchung nach einem missglückten Sprung. Hier hilft dir kein Spray, sondern konsequente Kälte. Die American Association of Equine Practitioners (AAEP) beschreibt Kryotherapie als evidenzbasierte Standardmaßnahme bei akuten Weichteilverletzungen: 10 bis 20 Minuten Kühlung in den ersten 72 Stunden, mehrmals täglich. Die Blutgefäße verengen sich, Entzündungsmediatoren werden gebremst, das Gewebe schwillt weniger stark an.

Praktisch heißt das: Kühlgel aus deiner Stallapotheke auftragen, mit einem feuchten Tuch abdecken, im Sommer notfalls einfach den Gartenschlauch für zehn Minuten aufs Bein halten. Kühlgamaschen & Therapieprodukte sind für Turnierreiter und Freizeitpferdehalter gleichermaßen ein Muss, gerade nach intensivem Training. Für komplexere Therapieanwendungen bieten sich auch professionelle Ergo- und Therapiegeräte an, die bei chronischen Problemen oder in der Rekonvaleszenz wertvolle Dienste leisten.

Verbände anlegen: Wenn Druck und Schutz gefragt sind

Tiefere Schnitte, blutende Beinverletzungen oder Wunden, die immer wieder aufplatzen, brauchen einen Verband. Er schützt vor Schmutz, stützt das Gewebe und komprimiert bei Bedarf Blutungen.

So legst du den Verband an:

1. Lege eine sterile, nicht klebende Wundauflage direkt auf die Verletzung (z. B. Telfa-Pad).
2. Wickle eine weiche Polsterschicht darüber, damit kein Druckschaden entsteht.
3. Fixiere mit einer elastischen Binde (z. B. Vetrap), ohne einzuschnüren.
4. Sichere die Ränder mit selbstklebendem Tape.

Kontrolliere den Verband mindestens einmal täglich und wechsle ihn spätestens nach 24 bis 48 Stunden oder wenn er verrutscht, nass oder verschmutzt ist. Wickle nie zu fest, sonst drohen Druckschäden an Sehnen und Blutgefäßen. Wer sich unsicher ist, lässt sich die Technik einmal vom Tierarzt zeigen.

Was in die erweiterte Stallapotheke gehört

Die Notfallbox deckt akute Verletzungen ab. Für eine vollständige Stallapotheke ergänzt du:

Regelmäßige Kotproben (die ESCCAP Deutschland empfiehlt mindestens vier pro Jahr und selektive Entwurmung statt Intervallgabe), Impfpass griffbereit, Tierarztnummer sichtbar an der Boxentür. Bei Pferden, die zu Übergewicht neigen oder aus medizinischen Gründen eine reduzierte Futteraufnahme benötigen, können Fressbremsen Hufrehe vorbeugen.

Häufig gestellte Fragen zu Erste

Zur absoluten Grundausstattung gehören Einmalhandschuhe, Verbandsmaterial wie selbsthaftendes Tape und sterile Auflagen sowie ein Fieberthermometer. Ebenso unerlässlich sind Wunddesinfektionsmittel, eine Zeckenzange und schützende Zinksprays oder Silbersprays zur sicheren Erstversorgung von oberflächlichen Blessuren. Das Equine First Aid Kit der Colorado State University listet zusätzlich mindestens zwölf verschiedene Verbandsmaterialien als Referenz für die Erstversorgung.
Um empfindliche Haut nicht zu reizen, empfehlen wir den Einsatz von speziellen medizinischen Waschlotionen oder antibakteriellen Pferdeshampoos. Für die anschließende Desinfektion solltest du ausschließlich zugelassene und milde Wunddesinfektionssprays auf Jodbasis oder Wasserbasis verwenden. Diese wirken tiefenrein und brennen nicht.
Eine professionelle Versorgung beginnt stets mit dem Auswaschen und Desinfizieren. Danach sollte die Wunde je nach Art und Tiefe mit einem atmungsaktiven Spray abgedeckt werden, um Insekten fernzuhalten. Bei tiefen, stark blutenden oder klaffenden Wunden muss zwingend sofort der Tierarzt gerufen werden.
Sobald sich Schorf gebildet hat, ist eine konsequente Pflege entscheidend. Hier eignen sich Salben wie Silbersalbe, Propolis Gel oder spezielle Repair Cremes. Sie halten die heilende Haut elastisch, lindern den Juckreiz und unterstützen eine reibungslose Regeneration des Gewebes.
Immer dann, wenn die Wunde tief ist, stark blutet, klafft oder in der Nähe von Gelenken, Sehnenscheiden oder Augen liegt. Auch bei Fremdkörpern (Nagel, Draht, Holzsplitter) niemals selbst herausziehen, sondern das Objekt sichern und den Tierarzt kommen lassen. Fieber über 38,5 °C, apathisches Verhalten oder Lahmheit sind ebenfalls klare Signale. Und ganz wichtig: Prüfe den Impfstatus. Die Tetanus-Impfung ist laut StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut eine Core-Impfung und ohne aktuellen Schutz kann jede noch so kleine Wunde lebensbedrohlich werden.
in Verband gehört mindestens einmal täglich kontrolliert und in der Regel alle 24 bis 48 Stunden gewechselt, spätestens jedoch, wenn er verrutscht, nass oder deutlich verschmutzt ist. Wichtig: Nie zu fest wickeln, sonst drohen Druckschäden an Sehnen und Blutgefäßen. Wenn du dir unsicher bist, lass dir die Technik einmal vom Tierarzt zeigen, danach klappt es routiniert.