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Sicherheitsweste & Rückenprotektor beim Reiten

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BIANCA HÄUSELER

Expertin für die Ausrüstung von Pferd & Reiter

Liebt es mit einem ihrer selbstgezogenen Pferde über den Reitplatz oder durch die Brandenburger Heide zu galoppieren.

Pferde sind Fluchttiere. Selbst verlässliche Tiere können sich erschrecken. Stürze im Parcours oder Stolperer im Gelände passieren in Sekundenbruchteilen. Protektoren reduzieren die Verletzungsschwere.

Moderne Sicherheitsausrüstung besteht aus High-Tech-Materialien, die sich durch Körperwärme anpassen. Sie sitzen eng am Körper und behindern die Bewegung deutlich weniger als ältere Modelle.

Kein Körperprotektor verhindert schwere Verletzungen in jeder Situation. Ein gut sitzendes Modell erhöht die Überlebenschance und reduziert die Verletzungsschwere, wie die Body Protector Guidelines der BHS zeigen.

Rückenprotektor oder Bodyprotektor?

Die Wahl der Ausrüstung hängt von der Disziplin und dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab.

MerkmalRückenprotektor (Wirbelsäulenschutz)Bodyprotektor (Sicherheitsweste Level 3)
SchutzbereichSchützt primär die Wirbelsäule (Hals bis Steiß).Rundumschutz für Torso, Rippen, Wirbelsäule und innere Organe.
BeweglichkeitMaximal. Kaum spürbar unter dem Jackett.Hoch, aber durch die Dicke des Materials etwas spürbarer.
Ideal fürDressur, tägliches Training, erfahrene Freizeitreiter.Vielseitigkeit (Gelände), Springen, Anreiten junger Pferde, Kinder.
SicherheitsnormMeist EN 1621-2 (Motorradnorm).BETA Level 3 (Höchster Standard).

Die europäische Prüfnorm für Körperprotektoren ist EN 13158:2018. Sie prüft Aufprallschutz, Schutzabdeckung, Komfort und Passform für Reiter, Pferdearbeiter und Kutschenfahrer. Die Norm bezieht auch Reißverschlüsse und Gelenkstellen ein. Laut SATRA sind Level 2 und 3 für allgemeines Reiten vorgesehen, Level 3 ist die höchste Schutzklasse für Vielseitigkeit und Gelände.

SWING Protektoren

SWING verbindet Ergonomie mit Sicherheit. Die Modelle unterscheiden sich in Schutzumfang und Bewegungsfreiheit.

Rückenprotektoren:

  • SWING P20: Extrem flacher Aufbau mit Schutz nach Level 2. Lässt sich unsichtbar unter der Turnierjacke tragen.

  • SWING P24 Pro & P24 Flex: Flexiblere Modelle, die Bewegungen im Sattel mitmachen, ohne hochzurutschen.

Bodyprotektor:

  • SWING P24 Max: Level 3 Zertifizierung für Sicherheit beim Reiten. Die Lamellen-Bauweise ermöglicht trotz hohem Schutz guten Tragekomfort.

Airbag-Sicherheitswesten

Airbag-Sicherheitswesten lösen bei einem Sturz über ein Reißleinen-System aus und blasen sich in Sekundenbruchteilen mit CO2 auf. Sie sollen Wirbelsäule, Nacken und Rippen abfedern. Die Studienlage ist jedoch nüchtern.

Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Meyer et al. wertete 18 Studien aus, davon 5 mit Bezug zu Airbag-Westen. Die Autoren fanden in der veröffentlichten Literatur keine belegte Verletzungsreduktion durch Airbag-Westen. Eine FEI-Datenauswertung von 2015 bis 2017 umfasste 1.819 Stürze mit Air-Jacket und 1.486 ohne.

Die FEI empfiehlt Airbag-Westen als sinnvolle Zusatzausrüstung, klassifiziert sie laut einem FEI-Risikomanagement-Dokument von 2022 aber nicht als verpflichtend. Verpflichtend sind die klassischen Körperprotektoren.

Eine Airbag-Weste ist eine Ergänzung, kein Ersatz für einen zertifizierten Bodyprotektor. In der Kategorie Airbag Sicherheitswesten findest du die wichtigsten Modelle.

Vergleich: Airbag-Weste vs. klassische Sicherheitsweste

KriteriumAirbag SicherheitswesteKlassische Sicherheitsweste (Level 3)
SchutzprinzipAktiv: CO2-Kartusche bläst die Weste bei Sturz auf.Passiv: Schaumstoff/Lamellen dämpfen dauerhaft.
AuslösezeitCa. 80 bis 100 ms nach Reißleinen-Zug.Sofortiger Schutz, keine Auslösung nötig.
StudienlageBisher keine belegte Verletzungsreduktion in der Literatur (Meyer et al. 2024).Etablierte Schutzwirkung nach EN 13158:2018 geprüft.
TurnierpflichtEmpfohlen, nicht verpflichtend (FEI).Bei Geländeprüfungen (LPO) verpflichtend.
WartungCO2-Kartusche nach Auslösung tauschen.Nach Sturz auf Risse und Verformungen prüfen.
TragekomfortSehr leicht, kaum spürbar.Etwas voluminöser, dafür kein Fehlauslösungsrisiko.
Ideal alsErgänzung zum Bodyprotektor.Basisschutz für alle Disziplinen.

Passform-Checkliste

Ein Protektor bringt nur Sicherheit, wenn er korrekt passt. Punkte für die Anprobe:

  • Enganliegend: Der Schutz muss nah am Körper sitzen und darf bei einem Sturz nicht verrutschen.

  • Länge prüfen: Der Protektor sollte den 7. Halswirbel bis zum Steißbein abdecken.

  • Satteltest: Im Sattel darf der Protektor hinten nicht am Sattelkranz anstoßen. Sonst schiebt er sich hoch.

  • Atmung: Bei tiefem Einatmen sollte Druck spürbar sein, aber keine Atemnot entstehen.

  • Temperatur: Die Passform erst nach 5 bis 10 Minuten beurteilen. Das Material wird durch Körperwärme weicher.

Der passende Sicherheitssteigbügel gehört zur Sicherheitsausstattung. Oberkörperschutz allein genügt nicht, wenn du dich beim Sturz nicht rechtzeitig vom Pferd löst. Ergänzend sollte auch das Sicherheitszubehör beachtet werden.

Reithelm

Ein Bodyprotektor schützt den Kopf nicht. Die aktuelle Norm für Reithelme ist EN 1384:2023, die laut DIN Media im Juni 2023 die Vorgängerausgabe DIN EN 1384:2017-08 ersetzt hat. Das CEN hat die Norm im Dezember 2023 im EU-Amtsblatt als harmonisierte Norm gelistet. Der Anwendungsbereich umfasst Reiten, Fahren sowie den Umgang mit und die Pflege von Pferden.

Die British Horse Society empfiehlt eine professionelle Anpassung und einen bei jedem Reiten befestigten Helm. Nach einem Sturz mit Bodenkontakt muss der Helm ausgetauscht werden. In der Kategorie Reithelme & Zubehör sind geprüfte Modelle von Samshield, UVEX, KASK verfügbar.

Reitstiefel

Der klassische Reitstiefel für Damen und Herren mit durchgehendem Schaft und definiertem Absatz verhindert, dass der Fuß durch den Steigbügel rutscht. Reitstiefeletten in Kombination mit Chaps sind die praktische Alternative für Alltag und Training. Beide bieten den Absatz, der im Sturzfall verhindert, dass du am Bügel hängen bleibst.

HKM LED-Leuchtweste

In der dunklen Jahreszeit oder bei Nebel werden Reiter oft übersehen. Passive Reflektoren leuchten nur, wenn sie angestrahlt werden. Das reicht im Straßenverkehr oft nicht.

Die HKM Leuchtweste LED sorgt für aktive Sicherheit. Per Knopfdruck aktivieren sich helle LEDs. Damit bist du für Autofahrer aus weiter Ferne erkennbar. Die Weste lässt sich über der Reitjacke oder dem Bodyprotektor tragen.

Häufig gestellte Fragen zu Sicherheitsweste

Im Springen und in der Dressur ist ein Rückenprotektor fast immer erlaubt. Bei Geländeprüfungen (Vielseitigkeit) schreibt die LPO meist eine Sicherheitsweste des Level 3 (wie den SWING P24 Max) vor. Vor der Nennung sollte die aktuelle Ausschreibung geprüft werden.
Bei den meisten modernen Modellen von SWING lassen sich die Protektorenplatten herausnehmen oder der Bezug abzippen. Der Textilanteil ist dann oft handwaschbar. Scharfe Reinigungsmittel und hohe Hitze können die Struktur des schockabsorbierenden Schaums beschädigen.
Nach jedem Sturz sollte das Equipment genau kontrolliert werden. Bei Rissen, Verformungen oder weißen Stresslinien im Material muss der Protektor ausgetauscht werden. Auch ohne sichtbare Schäden empfehlen Hersteller einen Austausch nach schweren Stürzen, da die Schutzwirkung im Inneren beeinträchtigt sein kann.
Körperprotektoren für den Reitsport werden nach der europäischen Norm EN 13158:2018 zertifiziert. Diese prüft laut SATRA Aufprallschutz, Schutzabdeckung, Komfort und Passform, inklusive Reißverschlüsse und Gelenkstellen. Es gibt drei Schutzlevel: Level 1 (nur für Berufsjockeys), Level 2 (leichter Schutz) und Level 3 (höchster Standard, verpflichtend für Gelände und Vielseitigkeit).
Die Studienlage ist zurückhaltend. Eine systematische Übersichtsarbeit von Meyer et al. (2024) fand in der veröffentlichten Literatur keine belegte Verletzungsreduktion durch Airbag-Westen. Die FEI empfiehlt sie als sinnvolle Ergänzung, verpflichtend ist aber weiterhin der klassische Körperprotektor. Eine Airbag-Weste sollte zusätzlich zu einem Level 3 Bodyprotektor getragen werden, nicht als Ersatz.
Die meisten Hersteller empfehlen eine Nutzungsdauer von etwa 5 Jahren ab Herstellungsdatum. Der schockabsorbierende Schaum verliert mit der Zeit an Elastizität, auch ohne Sturzeinwirkung. Das Herstellungsdatum auf dem Etikett sollte regelmäßig geprüft werden. Der Protektor sollte nach jedem schweren Sturz oder bei sichtbaren Schäden ausgetauscht werden.
Für Kinder wird die Kombination aus Reithelm nach EN 1384:2023 und Bodyprotektor Level 3 empfohlen. Kinderknochen sind empfindlicher als die von Erwachsenen. In der Kategorie Kinder-Sicherheit beim Reiten sind speziell angepasste Modelle verfügbar. Die Passform sollte wegen des Wachstums regelmäßig kontrolliert werden.
Ein Rückenprotektor schützt primär die Wirbelsäule vom Nacken bis zum Steißbein und ist meist nach der Motorradnorm EN 1621-2 geprüft. Ein Bodyprotektor umschließt den gesamten Torso inklusive Rippen und innere Organe und wird nach EN 13158:2018 zertifiziert. Für Dressur und leichtes Training genügt oft der Rückenprotektor. Für Gelände, Springen und Vielseitigkeit ist der Bodyprotektor verpflichtend.